Innerhalb weniger Wochen könnten wir unsere Produktion von deutschem Gas erhöhen.

Deutschland braucht dringend Erdgas – und sucht es weltweit. Eine Wiederzulassung des seit Jahrzehnten in Deutschland praktizierten Fracking würde nach Ansicht des Förderspezialisten Moh’d Amro einen einfachen und schnellen Ausbau der Erdgasförderung ermöglichen. Er glaubt, dass die Gefahr vernachlässigbar ist, besonders in dieser und jener Nation.

WirtschaftsWoche: Die russische Regierung und Präsident Wladimir Putin haben damit gedroht, die Erdgaslieferungen nach Deutschland einzustellen, Herr Amro. Dabei erzeugt die Bundesrepublik Deutschland rund 5 % des von ihr verbrauchten Erdgases selbst, was eine beachtliche Menge ist. Ist es möglich, diesen Prozentsatz noch weiter zu verbessern

Moh’d Amro: Ich bin Moh’d Amro, und ich bin Moh’d Amro. Strömungspfade in unseren Lagerstätten zu schaffen, durch die sich das Gas bewegen kann, wäre wirklich eine sehr einfache Möglichkeit, diese Zahl erheblich zu verbessern. Das Gas befindet sich etwa fünf bis sechs Kilometer unter der Oberfläche, in porösem Gestein, das so dick ist, dass das Gas aufgrund der Gesteinsdichte oft nicht in wirtschaftlich sinnvollen Mengen zur Bohrung und schließlich an die Oberfläche fließen kann. Wir könnten künstliche Hilfe leisten. Damit könnten wir den Anteil der Deutschen, die sich selbst versorgen, von 5 auf voraussichtlich 10 bis 15 Prozent erhöhen.

Sie sprechen von hydraulischem Fracking. Wie ist das Verfahren dafür?
Dazu injizieren wir eine Fracking-Flüssigkeit unter hohem Druck in das Gestein, um bestehende Risse zu öffnen oder dabei neue zu erzeugen. Wenn Sie die Natur betrachten, werden Sie fast immer solche Abgründe sehen, die durch den Druck der darüber liegenden geologischen Schichten geschlossen wurden. Die Fracking-Flüssigkeit besteht laut Hersteller zu 98 Gewichtsprozent aus Wasser und Sand. Der Sand hilft, die entstandenen Spalten offen zu halten. Damit Fracking erfolgreich ist, müssen wir auch bestimmte Chemikalien einsetzen.

Was sind die Zusatzstoffe?

Damit Wasser effektiv in das Gestein eindringen kann, verwenden wir Tenside oder Polymere, um die Reibung zwischen Wasser und Gestein während der Wasser-Gesteins-Wechselwirkung zu minimieren. Die Polymere hingegen dienen als Bruthabitat für Bakterien. Wir wollen nicht diejenigen sein, die sie in die Lagerstätte geschleppt haben. Deshalb setzen wir auch Biozide ein, um zu verhindern, dass sie sich in dieser Umgebung vermehren. Außerdem sind Tonstabilisatoren erforderlich, um zu verhindern, dass sich Ton im Untergrund ausdehnt.

Was genau sind die Gefahren?

Wenn Fracking nicht richtig geplant und Spannungen in der Tiefe nicht berücksichtigt werden, gibt es Bedenken. All dies lässt sich jedoch mit einfachen Techniken, die ich hier in Freiberg lehre, relativ leicht berechnen. Außerdem dürfen Sie nicht in tektonisch aktiven Zonen oder in Tiefen von weniger als 1000 Metern fracken. Wenn Sie all dies berücksichtigen, steht einer sicheren Durchführung von Fracking nichts mehr im Wege.

Wenn Sie nach Niedersachsen schauen, wo der Großteil der deutschen Reserven liegt, wie sicher schätzen Sie die Lage dort ein?
Wir betreiben Fracking in Deutschland seit 1961, zuletzt im Jahr 2012. Insgesamt haben wir bisher rund 500 Fracking-Einsätze durchgeführt. Außerdem ist mir kein einziger Fall bekannt, in dem es zu Schwierigkeiten oder einem Umweltunglück gekommen wäre. In Wahrheit hat Deutschland einen erheblichen Sicherheitsvorsprung gegenüber dem Rest der Welt. Die Reserven liegen in großen Tiefen hinter undurchdringlichen Gesteinsschichten. Wir können ziemlich sicher sein, dass unkontrollierte Flüssigkeiten nicht an die Oberfläche des Planeten gelangen werden.

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